
Wenn jemand mich nach meinen Heimaten fragt, sage ich inzwischen drei: Hamburg, weil hier mein Atelier in Lokstedt steht und mein Leben. Paris, weil meine Lieferanten dort sitzen und meine Augen dort offen sind. Und das Tegernseer Tal, weil ich dort den Kopf wieder leer bekomme und weil mich Papier mit der Region seit meiner Kindheit verbindet.
Ich fahre mindestens einmal im Jahr in diese Ecke Bayerns, manchmal mit meinem Mann Chris, manchmal mit unseren Töchtern Simona und Antonia. Über die Jahre haben sich Lieblingsplätze ergeben, an die ich jedes Mal zurückkehre. Hier sind sie, ohne Rangfolge, aber mit den Tipps, die ich Freundinnen sage, wenn sie zum ersten Mal hochfahren.
Wo ich wohne: Landhaus am Stein in Bad Wiessee

Das Landhaus am Stein in Bad Wiessee gehört Simone Schnoor. Wir kennen uns seit vielen Jahren: Simone war früher meine Vertreterin für Designers Guild, einen Premium-Interior-Brand. Aus der Geschäftsbeziehung ist eine Freundschaft geworden, und als sie das Hotel übernommen hat, wurde es für mich ganz selbstverständlich zu meinem festen Quartier am Tegernsee.
Das Haus hat die Ruhe, die ich brauche, wenn ich aus Hamburg komme. Wer in der Nähe von Bad Wiessee etwas sucht, das nicht groß und durchgestylt, sondern persönlich geführt ist, ist hier richtig.
Mein Papier-Anker: Die Gmund Papierfabrik

Wenn ich am Tegernsee bin, gehört ein Besuch bei Gmund dazu. Für mich ist das kein touristischer Programmpunkt, sondern Familie.
Ich bin Druckerstochter. Mein Vater Rolf Gronau hatte über Jahrzehnte seine eigene Druckerei, meine Mutter Elsbeth war Buchbinderin und hat dort mit ihm gearbeitet. Ich bin mit Papier groß geworden, im wörtlichen Sinne. Neben meiner Mutter habe ich in der Buchbinderei gestanden und mitgeholfen, wo es ging. Bei meinem Vater in der Setzerei habe ich nach dem Druck die Bleibuchstaben zurück in den Setzkasten gelegt.
Bütten habe ich nur bei Gmund geschöpft, gemeinsam mit meiner Mutter. Wer einmal mit den Händen in Papierbrei stand und gesehen hat, wie aus einer grauen Masse ein Bogen wird, der vergisst das nicht mehr. Und versteht, warum ich heute kein x-beliebiges Papier in meinen Druckaufträgen haben will.
Für die Druckaufträge, die heute aus meinem Hamburger Atelier kommen, kaufe ich Material unter anderem in Gmund. Das ist deutsche Papier-Tradition auf höchstem Niveau und passt zu allem, was wir in der Druckwerkstatt in Lokstedt produzieren: Briefpapiere, Karten, Buchbindearbeiten, Personalisiertes.
Tipp: Die Führungen durch die Papierfabrik sind toll. Wer auch nur ein bisschen Interesse für Material und Handwerk hat, sollte das einmal mitmachen.
Wo ich esse: Drei Tegernseer Klassiker
Weißachalm in Kreuth, die Entenalm

Die Weißachalm liegt direkt an der Weißach, am Ende eines kleinen Naturerlebnispfads, Adresse Weissachaustraße 51 in 83708 Kreuth. Eigentlich kennen sie alle nur als „Entenalm“. Wirtin Marianne Högg führt sie seit über 50 Jahren, sie ist heute 87 Jahre alt und hat in dieser Zeit halb Bayern bekocht. Und ziemlich viele Prominente nebenbei.
Was ich an diesem Ort genauso liebe wie das Essen, ist der Weg dorthin. Man geht durch die Weißach-Auen, das Wasser rauscht leise neben einem her, und auf den Wiesen stehen immer wieder Kühe und schauen, als hätten sie alle Zeit der Welt. Wenn ich aus Hamburg komme, ist das die Ruhe, die ich in den ersten Tagen brauche.
Ich gehe seit meinen ersten Tegernsee-Aufenthalten dort hin. Bei jedem Besuch.
Pflicht: vorbestellen. Vorher anrufen und die Ente mit Blaukraut und Knödeln reservieren. Ohne Vorbestellung gibt es schlicht keine, die Ente wird nur auf Abruf gemacht. Es ist die beste Ente, die ich kenne.
Ich treffe auf der Terrasse übrigens immer wieder Kundinnen aus dem Concept Store. Die Weißachalm ist offenbar ein Tegernsee-Geheimnis, das wir Hamburger Stammgäste gemeinsam haben.
Freihaus Brenner, der Tegernsee-Blick
Das Freihaus Brenner in Bad Wiessee gehört Familie Jäger. Bei klarem Wetter sitze ich draußen, der Blick über den Tegernsee ist von dort einer der schönsten, die man im Tal hat. Wenn das Wetter mich reintreibt, dann immer ins Salettl, den kleinen Raum mit der besonders gemütlichen Stimmung.
Das Essen ist seit Jahren verlässlich gut, ein Haus zum Wiederkommen. Mein Tipp: Schweinebraten und Kaiserschmarrn. Bayrisch und richtig gemacht.
Aus der Nachbarschaft kennt man Namen: Im Haus nebenan wohnte über Jahre Günter Sachs, heute ist der ehemalige FC-Bayern-Präsident dort ansässig. Das macht das Freihaus Brenner nicht zur Promi-Bühne. Die Küche und die Familie Jäger reichen als Grund.
Voitlhof, modern-traditionell mit Bergblick

Der Voitlhof ist meine Adresse, wenn ich Lust auf etwas Ausgefallenes habe, das trotzdem bayrisch geerdet ist. Der Service ist sehr aufmerksam und die Küche traut sich Dinge, die ich anderswo selten finde: Vanilleeis mit Kürbiskernöl zum Beispiel, ein einfacher Gedanke, aber das funktioniert großartig. Die Terrasse hat einen schönen Blick auf die Berge.
Wildbad Kreuth: Das alte Bad wird Sanatorium

Etwas besonderes liegt etwas oberhalb: das Wildbad Kreuth. Wer sich in der Region auskennt, hat den Namen noch von früher im Ohr. Hier hat die CSU jahrzehntelang ihre Klausurtagungen abgehalten, hier wurde Politik gemacht, die das Land geprägt hat. In den letzten Jahren wurde das Gelände als Pop-Up-Hotel genutzt.
Heute führen Hotel und Restaurant von dort Korbinian Kohler, den man als Hotelier der Bachmair Weissach kennt. Kohler hat das Wildbad 2021 in Erbpacht übernommen, ursprünglich war ein Luxushotel geplant. Inzwischen hat er das Konzept geändert: Das Wildbad Kreuth soll wieder werden, was es einmal war, ein Sanatorium für Leib und Seele. Ich finde diese Entscheidung großartig. Es ist sehr viel mehr im Geist der Region als ein weiteres Hotel auf hohem Niveau.
Schauen, was sich entwickelt. Hingehen lohnt sich jetzt schon, wegen der Lage und wegen der besonderen Atmosphäre des alten Gemäuers.
Mein Lieblings-Shop: Fellners in Bad Wiessee

Fellners ist kein Restaurant, sondern ein Shop für Likör und Edelbrände. Bestellen kann man hier, aber das Schönere ist vor Ort: man kann verkosten. Und der Grund, warum ich immer wieder hingehe, ist der Inhaber selbst. Er ist ein Unikum, kennt jeden in der Region und kann einen herrlich unterhalten. Allein für seine Sprüche fahre ich gerne einen Umweg.
Eine Besonderheit: Liköre kann man sich mit eigenem Etikett abfüllen lassen. Wir haben das für den Concept Store schon mehrfach machen lassen.
Mein Tipp: Roter Weinbergpfirsich, aufgegossen mit Prosecco. Sommerlich, leicht, im Glas etwas Besonderes.
Wenn ich in München bin
Auf dem Weg zum Tegernsee oder zurück mache ich gerne Halt in München. Zwei Adressen sind feste Größen.
Waldwirtschaft Großhesselohe

Die Waldwirtschaft im Süden Münchens ist Tradition. Großer Biergarten unter alten Bäumen, München wie es sein soll. Wenn das Wetter mitspielt, ist das einer der schönsten Biergarten-Nachmittage, die man haben kann.
Emmeransmühle

Die Emmeransmühle ist mein Geheimtipp in München. Schon der Weg dorthin ist besonders. Man fährt durch eine Ecke, in der man denkt, hier kommt jetzt nichts mehr. Dann öffnet sich ein Biergarten zwischen Bäumen. Innen ist es bayrisch-gemütlich, ohne übertrieben dekoriert zu sein.
Mein Tipp: Kaiserschmarrn und Schweinebraten vom Strohschwein. Ein Klassiker richtig gemacht, mehr braucht es nicht.
Warum ich immer wiederkomme
Der Tegernsee hat sich in den letzten Jahren stark verändert. Aber die Kulisse ist geblieben, die Natur ist geblieben, und die Menschen, die ich dort kenne, sind geblieben. Für mich ist diese Region jedes Mal eine Reise wert. Manchmal ist sie das Stück Sortierung, das ich aus Hamburg gerade brauche.
Read this post in English: My Tegernsee. A love letter to paper, duck, and a hotel owner I have known for years.
Die Drei-Heimaten-Serie geht weiter. Hamburg und Paris folgen in den kommenden Wochen.
Bis dahin gibt es schon einmal hinter die Kulissen meines Buchbinderei-Ateliers, in das Letterpress-Atelier und in die Prägewerkstatt in Hamburg-Lokstedt. Und für die Paris-Klammer: wie eine Paris-Karte in meinem Atelier entsteht.
Konkrete Geschenke und Papier-Arbeiten aus dem Atelier gibt es im Concept Store.
Trixi Gronau führt seit 1995 ihren Concept Store in Hamburg mit eigenem Druckatelier. In den 90er Jahren Stammkundin bei Susanne Otto (damals einzige Chanel-Adresse Hamburgs, Milchstraße), bei der Boutique Amica von Ina Gärtner und im Chippis Bazar von Mary Burose. Eingeladen zu Vernissagen bei der Galerie Levy (Pop Art und Surrealismus, Hamburg-Pöseldorf).
Herzlich, aus Hamburg


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