Gefion in Altona: Hamburg neu auf dem Teller

Wo früher das Breitengrad war, werden seit August Hamburger Klassiker neu gedacht: Labskaus kommt als Krokette, das Rundstück warm mit Hackbraten und der alkoholfreie Prosecco mit Eisenkraut und Quitte. Entdeckt haben wir das Gefion ganz nebenbei, auf unserem vertrauten Weg nach meinem Reha-Sport.

Nach meinem Reha-Sport fahren wir immer dieselbe Strecke. Dabei kommen wir seit Jahren an dem Haus in der Gefionstraße vorbei, in dem früher das Breitengrad war. Eines Tages hing dort plötzlich ein neues Firmenschild.

Zu Hause habe ich gleich im Internet nachgesehen. Die Homepage machte mich neugierig, und da ich gern neue Restaurants ausprobiere, reservierten wir einen Tisch für Freitagabend.

Der junge Mann, der uns bediente, fragte gleich, wie wir auf das Restaurant aufmerksam geworden seien. Genau so.

Grünes Schild des Restaurants Gefion in Hamburg-Altona mit weißem Ochsenkopf
Das Schild an der Straße: ein weißer Ochsenkopf, drumherum Fisch, Weinglas, Schiff und das Hamburger Wappen.

Wo früher das Breitengrad war

Das Gefion liegt in der Gefionstraße 3 in Altona-Nord, gleich neben der Neuen Flora. Marcel Hapke und Luke Leon Nennecke eröffneten es Mitte August. Es ist ihr erstes eigenes Restaurant; zuvor führten die beiden gemeinsam ein Cateringunternehmen.

Am Eingang hängt ein grünes Schild mit einem weißen Ochsenkopf. Rund um den Kopf sind kleine Zeichnungen angeordnet: ein Fisch, ein Weinglas, eine Wurst, ein Schiff und das Hamburger Wappen. Schon an der Tür wird deutlich, worum es im Gefion geht.

Eingang des Restaurants Gefion in der Gefionstraße mit weißer Tür unter einem farbigen Glasdach
Der Eingang mit der weißen Tür unter dem farbigen Glasdach.

„Wir packen Hamburg wieder auf’n Teller“

Dieser Satz steht ganz unten im Vorwort der Speisekarte. Darüber erklären die beiden Gründer, was sie vorhaben: traditionelle Hamburger Gerichte wieder aufleben zu lassen, modern interpretiert und mit eigener Handschrift.

Dazu kommt der ehrliche Hinweis, dass es sich noch um die Soft-Opening-Karte handelt, die sich weiterentwickeln und mit den Jahreszeiten verändern wird. Ich mag es, wenn ein neues Restaurant das so offen formuliert, statt den Eindruck zu erwecken, als sei vom ersten Tag an bereits alles endgültig.

Speisekarte des Restaurants Gefion Hamburg mit dem Vorwort und den Vorspeisen
Die Karte ist schmal und lang. Oben das Vorwort, darunter fängt es an mit „Zum Start".

In der Rotunde

Wir saßen in der Rotunde, dem runden Teil des Restaurants mit seiner großen Fensterfront. Der Raum ist zurückhaltend und geschmackvoll eingerichtet. Grüntöne bestimmen das Bild, bis hin zu den Servietten. Draußen reicht das üppige Grün beinahe bis an die Fenster.

Gastraum des Gefion in Hamburg mit hoher Fensterfront, grünen Stühlen und Blick ins Grüne
Die Fensterfront in der Rotunde. Draußen steht das Grün bis ans Fenster.

Der junge Mann, der uns so freundlich begrüßt und die Karte ausführlich erklärt hatte, war übrigens Marcel Hapke selbst, einer der beiden Gründer. Er nahm sich Zeit für uns und vermittelte spürbar, wie viel ihm an diesem neuen Restaurant liegt. Das hat den Abend mitgeprägt.

Getrunken habe ich einen alkoholfreien Prosecco mit Eisenkraut und Quitte. Eine solche Kombination finde ich nur selten auf einer Getränkekarte, und sie war wirklich gut. Wer keinen Alkohol trinken möchte, bekommt im Gefion erfreulicherweise mehr angeboten als Wasser oder Saft.

Das Besteck

Was mir ebenfalls sofort auffiel, war das Besteck: silberfarben, matt und im Antik-Look, mit kräftigen Griffen, die angenehm in der Hand liegen. Ein solches Finish sieht man nicht überall.

Mit diesem Thema kenne ich mich aus. In meinem Concept Store führe ich Messer von Forge de Laguiole und Paul Adrian aus Solingen; außerdem hatte ich früher einen eigenen Partyservice.

Gutes Besteck macht an einem gedeckten Tisch mehr aus, als viele Menschen denken. Häufig nimmt man es gar nicht bewusst wahr, und trotzdem fühlt sich das Essen damit anders an.

Besteck im Antik-Look mit grüner Serviette auf dem grünen Tisch im Gefion Hamburg
Besteck im Antik-Look mit grüner Serviette auf dem grünen Tisch.

Was auf den Tellern war

Als Vorspeise wählte ich den geflämmten Matjes mit Sahnecreme und eingelegter roter Zwiebel. Der Fisch lag auf einem weißen Reliefteller neben einer hellen Creme mit Kräuteröl. Dazu kamen feiner Dill und kleine violette Blüten. Geschmacklich sehr fein und auch optisch ausgesprochen schön.

Geflämmter Matjes mit Sahnecreme, roter Zwiebel und Dill im Gefion Hamburg
Geflämmter Matjes mit Sahnecreme, roter Zwiebel und Dill.

Außerdem kamen Labskaus-Kroketten mit geschmortem Rindernacken und Deichkäse auf den Tisch. Drei Kroketten lagen auf einem langen Teller, außen knusprig paniert und innen in dem kräftigen Rot des Labskaus.

Diese Neuinterpretation fand ich ungewöhnlich, optisch interessant und geschmacklich sehr gelungen. Labskaus als Krokette hatte ich zuvor noch nie gegessen.

Labskaus-Kroketten mit geschmortem Rindernacken und Deichkäse im Gefion Hamburg
Labskaus-Kroketten mit geschmortem Rindernacken und Deichkäse.

Als Hauptgericht nahm ich den confierten Köhler mit Kräutercreme und Kartoffel-Crunch. Der Fisch lag unter hauchdünnen Kartoffelscheiben, die wie feine Chips darauf geschichtet waren. Dazu wurde in einer eigenen Schale Selleriepüree mit Nussbutter und Schnittlauch serviert. Ein sehr aromatisches Gericht mit unterschiedlichen Konsistenzen.

Confierter Köhler mit Kartoffel-Crunch, Kräutercreme und Selleriepüree im Gefion Hamburg
Confierter Köhler mit Kartoffel-Crunch, Kräutercreme und Selleriepüree.

Daneben stand das Rundstück warm: Hackbraten zwischen Brot, dazu dunkle Bratensauce und obenauf ein kleiner Turm aus frittierten Zwiebelringen. Besonders interessant fand ich die Röstkartoffeln mit Essig und Dill. Sie waren außerordentlich knusprig und wurden mit einem Joghurt-Kräuter-Dip serviert.

Rundstück warm mit frittierten Zwiebelringen, Röstkartoffeln und Dip im Gefion Hamburg
Rundstück warm mit frittierten Zwiebelringen, Röstkartoffeln und Dip.

Zum Abschluss teilten wir uns die mit Pflaume gefüllte Rohrnudel, dazu eine Tee-Creme. Erst beides zusammen machte das Dessert vollkommen: warm, fruchtig, cremig und sehr fein aufeinander abgestimmt.

Rohrnudel mit Pflaume und Tee-Creme im Gefion Hamburg
Rohrnudel mit Pflaume und Tee-Creme.

Alle Gerichte waren liebevoll angerichtet. Gleichzeitig liest sich die Karte so, dass man schon während des Essens überlegt, was man beim nächsten Besuch probieren möchte.

Wenn Sie hingehen

Gefion Restaurant
Gefionstraße 3
22769 Hamburg-Altona
Direkt neben der Neuen Flora

Geöffnet ist das Restaurant von Donnerstag bis Montag ab 17 Uhr. Dienstag und Mittwoch sind Ruhetage. Die aktuelle Speisekarte und die Möglichkeit zur Reservierung finden Sie unter gefion-restaurant.de.

Zum Zeitpunkt unseres Besuchs kosteten die Vorspeisen zwischen 6 und 16 Euro, die Hauptgerichte zwischen 19 und 26 Euro und die Beilagen zwischen 6 und 7 Euro. Da sich das Gefion noch in seiner Soft-Opening-Phase befand und die Karte saisonal weiterentwickelt werden soll, kann sich das Angebot jederzeit ändern.

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Herzlich aus Hamburg

Trixi

Posted in CITY, RESTAURANT

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