Buchbinderei-Werkstatt: Vom Leder zum fertigen Buch

Jedes Trixi Gronau Notizbuch und jedes Fotoalbum, das im Concept Store steht, wird im hauseigenen Buchbinder-Atelier hergestellt. Nicht im Akkord, sondern in kleinen Chargen, mit Falzbein und Buchpresse. Hier zeigen wir, wie ein Buch entsteht, von der Lederauswahl bis zum fertigen Stück.

Stapel fertiger handgefertigter Bücher mit Falzbein
Eine fertige Charge: Bücher in mintgrün, dunkelrot, weiß und rot, oben der unverzichtbare Falzbein

Schritt 1: Das Bezugsmaterial wählen

Bei einem handgefertigten Buch beginnt alles mit der Haptik. Wir arbeiten überwiegend mit drei Materialgruppen: echtes Leder (Glattleder, Croco-Prägung, Lizard, Galluchat), hochwertiges Skivertex (Kunstleder in Premium-Qualität, mit verschiedenen Strukturen) und Spezial-Bezugsmaterialien wie Kanuba für Notizbücher mit besonderer Optik.

Manche unserer Stücke entstehen auch aus dem Upcycling von Stoffen aus unserem eigenen Fundus, darunter Materialien von Hermès, Chanel und Armani. So bekommen edle Reststücke ein zweites Leben als Buchcover.

Lederauswahl Rot in zwei Schattierungen
Echtes Leder in Korall und Tiefrot. Jedes Stück hat eine eigene Maserung, kein Buch gleicht dem anderen

Wenn ein Auftrag oder ein Kollektionsstück in Auftrag geht, wird das Material zunächst zusammengesucht. Das passiert im Atelier-Lager, wo Leder- und Skivertex-Rollen sortiert nach Farbe und Struktur aufbewahrt sind. Anschließend wird der gewünschte Bogen auf die Schneidematte gelegt und mit dem Schnittlineal in die passende Größe gebracht.

Galluchat-Skivertex limettengrün auf Schneidematte
Limettengrüner Galluchat-Bezug: typische Struktur einer Galluchat-Prägung erinnert an Rochenhaut

Schritt 2: Das richtige Werkzeug-Set

Buchbinderei ist eines der Handwerke, in denen die Werkzeugauswahl direkt die Qualität bestimmt. Unser Grund-Set hat sich über Jahre eingespielt:

  • Falzbein aus Bein oder Kunststoff: zum präzisen Falten ohne Knickkanten
  • Bezugsleder oder Skivertex als Außenhaut
  • Fester Karton für die Cover-Innenseiten
  • Buchbindermesser oder Cutter für saubere Schnitte
  • Schere für Kapitalband und Stoffeinschläge
  • Planatol BB, ein Buchbinder-Klebstoff auf Wasserbasis
  • Buchbinder-Presse für die endgültige Verleimung
Material-Set für die Buchbindung
Das Grund-Set: schwarzer Karton, Falzbein, pinkes Bezugsmaterial, Buchbindermesser

Schritt 3: Kapitalband, Zeichenlitze und Vorsatzblatt

Der fertig genähte Buchblock bekommt jetzt seine inneren Details. Zuerst werden oben und unten am Buchrücken die Kapitalbänder eingesetzt, schmale Gewebebänder, die die Bindung optisch und mechanisch abschließen. Wir wählen die Farbe passend zum Bezug oder als Akzent, damit jedes Buch ein kleines Detail bekommt, das nur sichtbar wird, wenn man genauer hinschaut.

Im selben Arbeitsgang wird die Zeichenlitze als Leseband eingelegt. Sie wird oben am Buchrücken eingeklebt und hängt unten frei aus dem fertigen Buch heraus. Auch hier wählen wir die Farbe bewusst, oft im Kontrast zum Bezugsmaterial.

Zeichenlitze in Blau wird als Leseband eingelegt
Zeichenlitze, hier in Blau, wird als Leseband eingelegt. Schere und Falzbein liegen bereit

Erst danach wird das Vorsatzblatt am Rücken des Buchblocks mit Planatol verklebt. Es ist die spätere Klebefläche zwischen Buchblock und Cover und entscheidet darüber, wie sauber sich das Buch später aufschlagen lässt.

Auftragen von Planatol mit der Klebewalze
Planatol wird mit der Walze auf den Buchblockrücken aufgebracht. Wassergetragener Klebstoff, geruchsarm

Schritt 4: Cover beziehen und beschneiden

Parallel zum Buchblock wird das Cover hergestellt. Der Karton wird in passende Größe geschnitten (Vorder- und Rückendeckel plus Rücken), dann mit dem Bezugsmaterial (Leder oder Skivertex) beklebt. Hier ist Geduld gefragt: Luftblasen oder Falten lassen sich nachträglich nur schwer korrigieren.

Im Atelier wird der Klebstoff per Pinsel auf das Cover-Bezugsmaterial aufgetragen, Bewegung für Bewegung, ohne Lufteinschlüsse.

Die Ränder werden mit der OPUS Finishing-Maschine sauber beschnitten. Das ist eine kleine Schiebenmaschine, die einen geraden Schnitt durch das Bezugsmaterial macht, ohne dass der Karton darunter Schaden nimmt.

OPUS Finishing-Tool im Einsatz
OPUS Finishing-Tool: rotes Cover wird beschnitten. Der Schnitt liegt millimetergenau am Karton-Rand

Schritt 5: Buchblock und Cover verbinden

Sobald sowohl Buchblock als auch Cover fertig sind, werden beide miteinander verklebt. Das geschieht wieder mit Planatol, diesmal allerdings nur an den beiden äußeren Vorsatzblättern des Buchblocks, die als Klebefläche zwischen Block und Cover dienen.

Verschiedene fertige Cover-Materialien
Eine Auswahl der Vielfalt: rotes Glanzleder, türkis-Velours, gold-Texturleder, Krokodil-Imitat, dazu fertige weiße Cover

Schritt 6: Pressen in der Buchpresse

Damit die Verleimung sauber trocknet und das fertige Buch einen perfekt rechtwinkligen Rücken bekommt, geht jedes Stück zum Abschluss in die Buchbinder-Presse. Bei uns steht eine klassische grüne Gusseisen-Presse mit Spindel, ein robustes Stück Werkstatt-Klassik. Die Bücher liegen einige Stunden bis über Nacht unter Druck, je nach Größe und Klebstoff-Menge.

Klassische grüne Buchpresse mit Spindel
Die grüne Buchpresse: Spindel-Mechanik, manuell betrieben. Hier härtet jeder Buchblock unter konstantem Druck
Die grüne Holz-Spindelpresse, in der die frisch geklebten Bücher mehrere Stunden bis über Nacht ruhen, damit der Klebstoff durchzieht.

Liebe Grüße, Ihre

Trixi

Aus dieser Werkstatt im Shop

Wer ein handgefertigtes Buch aus genau diesem Atelier möchte, findet eine Auswahl im Concept Store. Jedes Stück trägt das gleiche Handwerk, wie hier oben gezeigt:

Häufig gefragt

Seit wann gibt es die Buchbinderei?

Den Concept Store gibt es seit 1995. Aber die Druckerei und Buchbinderei gibt es schon seit 1963, gegründet von meinen Eltern. In dritter Generation arbeiten wir heute, ein hanseatisches Familienunternehmen. Mithelfen tun meine beiden Töchter Simona und Antonia, dazu meine Schwester Beatrix und mein Mann Chris.

Was fertigt ihr außer Büchern?

Auch besondere Lederartikel: Schuhanzieher to go, Taschenanhänger und kleine Begleiter, die in den Alltag passen. Alles im selben Atelier wie die Bücher, mit denselben Materialien und derselben Sorgfalt.

Welche Materialien verwendet ihr für die Buchcover?

Skivertex verarbeiten wir mit vielen verschiedenen Prägungen: Croco, Lizard, Mamba-Schlange, Galluchat. Dazu echtes Leder aus meinem eigenen Fundus: Upcycling-Stücke aus Hermès, Coco Chanel und Versace bekommen so ein zweites Leben als Buchcover. Leinen verarbeiten wir bewusst nicht, das sieht zu schnell unansehnlich aus.

Was ist Galluchat, und prägt ihr auch im Kundenauftrag?

Galluchat ist Rochenprägung, eine charakteristische Skivertex-Oberfläche mit der Struktur von Rochenhaut. Wir verwenden sie, weil sie das edle Aussehen bietet ohne den Preis und die Empfindlichkeit von echtem Rochen. Prägungen führen wir ausschließlich auf unseren eigenen Produkten aus. Wir arbeiten nicht auf mitgebrachtem Material.

Wie entsteht ein handgefertigtes Buch im Atelier?

In sechs Schritten: Material auswählen, Werkzeug bereitlegen, Buchblock mit Kapitalband und Zeichenlitze versehen, Cover beziehen und mit der OPUS Finishing-Maschine beschneiden, Buchblock und Cover verkleben, dann mehrere Stunden bis über Nacht in der grünen Gusseisen-Spindelpresse trocknen lassen.

Welche Werkzeuge braucht eine Buchbinderei?

Das eingespielte Grund-Set: Falzbein für präzises Falten, Buchbindermesser für saubere Schnitte, Planatol BB als Buchbinder-Klebstoff auf Wasserbasis, OPUS Finishing-Maschine zum millimetergenauen Beschneiden der Bezüge, und die klassische grüne Gusseisen-Spindelpresse für die finale Verleimung. Ein Teil dieser Werkzeuge ist seit der Gründung der Druckerei 1963 im Atelier. Werkzeug, das mit der Familie gewachsen ist.

Wie lange muss ein frisch gebundenes Buch pressen?

Das hängt vom Material ab, zwischen drei Stunden und über Nacht. Erst wenn der Klebstoff durchgezogen ist, hat das Buch einen perfekt rechtwinkligen Rücken. Das ist nicht zu beschleunigen ohne Qualitätsverlust.

Kann ich ein Hochzeitsalbum oder ein Tagebuch mit eigener Prägung in Auftrag geben?

Ja, individuelle Bestellungen nehmen wir gerne an: Hochzeitsalben, Tagebücher mit persönlicher Prägung, Erinnerungsbücher oder Geschenkbände. Wie schnell wir liefern können, hängt davon ab, ob das passende Material gerade im Atelier ist. Unsere Materialien beziehen wir aus dem Ausland, bei besonderen Wünschen planen wir die Lieferzeit mit ein. Format und Material-Vorstellung an info@trixi-gronau.de, dann besprechen wir Schrift, Farbe und Zeitrahmen.

Mehr Werkstatt-Geschichten: Schauen Sie sich auch unseren Artikel über das Siebdruck-Atelier an, der die Atmosphäre derselben kleinen Druckerei in Hamburg einfängt.

Trixi

Verwandt im Atelier: Prägen und Stanzen. Alle sechs Disziplinen auf einer Seite: Das Druckatelier in Hamburg-Lokstedt

Trixi Gronau führt seit 1995 ihren Concept Store in Hamburg mit eigenem Druckatelier. In den 90er Jahren Stammkundin bei Susanne Otto (damals einzige Chanel-Adresse Hamburgs, Milchstraße), bei der Boutique Amica von Ina Gärtner und im Chippis Bazar von Mary Burose. Eingeladen zu Vernissagen bei der Galerie Levy (Pop Art und Surrealismus, Hamburg-Pöseldorf).

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