Prägeatelier: Heißfolien, Blindprägung und Klischees aus Messing

Goldenes Prägewerkzeug mit Buchstabensatz im Atelier

Drucken kann man auf vielerlei Arten. Man kann eine Farbe auflegen wie beim Offset, eine Farbe einbrennen wie beim Letterpress oder das Material selbst formen. Letzteres ist Prägen. Es ist die älteste der drei Schwestern und gleichzeitig diejenige, die im modernen Atelier am stillsten arbeitet. Im Druckatelier von Trixi Gronau in Hamburg gehört sie seit Jahrzehnten zum Handwerk dazu.

Ein kurzer Werkstattbericht, was beim Prägen eigentlich passiert, woraus die Werkzeuge bestehen und wozu das Verfahren in einer Hamburger Manufaktur heute noch gut ist.

Was Prägen ist

Prägen verändert das Material physisch. Ein Klischee aus Messing oder Magnesium wird unter Druck und meistens auch unter Hitze auf Leder, Papier oder Karton aufgesetzt. Das Material gibt nach. Es entsteht eine Vertiefung oder, von der Rückseite betrachtet, ein Relief. Das Ergebnis lässt sich nicht abreiben und nicht ausbleichen, weil keine Farbe darüberliegt, sondern die Oberfläche selbst eine neue Form bekommt.

Es gibt zwei Hauptvarianten, die im Atelier täglich vorkommen: die Heißfolienprägung, bei der zusätzlich eine farbige Folie ins Material gedrückt wird, und die Blindprägung, bei der nichts ausser Druck und Hitze im Spiel ist. Beide haben ihren eigenen Reiz.

Die Klischees

Goldene Messing-Klischees neben Heißfolien-Rollen in Kupfer, Blau, Pink und Silber
Messing-Klischees und Heißfolien-Rollen in Kupfer, Blau, Pink und Silber. Jedes Klischee ist ein einmaliges Werkzeug, das aus dem Originalentwurf gefräst oder geätzt wird.

Ohne Klischee kein Druck. Jedes Motiv, jedes Logo, jeder Schriftzug, der dauerhaft geprägt werden soll, braucht ein eigenes Messing-Werkzeug. Die Klischees werden auf Basis des Entwurfs gefertigt und sind spiegelverkehrt, weil sie ja gestürzt ins Material drücken. Im Atelier liegen davon hunderte, sortiert in flachen Holzkästen: Sterne, Herzen, Schriftzüge, Monogramme, Symbole, Wappen, eine kleine Bibliothek aus Metall.

Geprägt wird im Atelier auf zwei Maschinen: einer Baier Prägepresse und einem Schmedt Prägnant. Für größere Aufträge ist die Baier besser, weil sie einen automatischen Vorschub für die Prägefolien hat.

Die Baier-Prägepresse im Atelier. Der schwarze Hebel bewegt das Klischee nach unten ins Material.

Die Folie kommt dazu, wenn es farbig werden soll. Sie wird in Bahnen vom Klischee aufgenommen und mit Hitze auf das Material übertragen. Kupfer, Gold, Silber, Roségold, Blau, Bordeaux: die Farbpalette ist gross und je nach Folie auch matt oder hochglänzend.

Buchstaben fürs Personalisieren

Bleibuchstaben und Setzkasten auf rosa Saffiano-Diary mit Joanna-Torben-Prägung
Bleibuchstaben werden im Setzkasten zusammengestellt, in den Halter gespannt und einzeln ins Leder geprägt. Hier ein rosa Saffiano-Diary mit dem Schriftzug JOANNA & TORBEN 2017 in Silberfolie.

Für Personalisierungen kommen einzelne Bleibuchstaben zum Einsatz. Wie beim klassischen Setzkasten werden sie Buchstabe für Buchstabe zusammengestellt, in einen Halter geklemmt und auf das Material geführt. Jeder Buchstabe ist ein eigenes Werkzeug aus Hartmetall. Wer Namen, Initialen oder Daten geprägt haben möchte, bekommt sein Wort buchstäblich zusammengesetzt.

Das ist der Punkt, an dem Manufaktur sichtbar wird. Eine maschinelle Gravur wäre schneller. Aber sie sähe nicht so aus. Die typische Tiefe und das leichte Spiel von Hand-gesetzten Lettern ergibt sich nur, wenn man tatsächlich Lettern setzt.

Heißfolie auf Leder

Weinroter Croco-Schlüsselanhänger mit goldener CB-Monogramm-Prägung
Schlüsselanhänger aus weinrotem Croco-Leder mit Monogramm CB in Goldfolie. Eines der häufigsten Personalisierungsmotive im Atelier.

Ein Klassiker im Atelier sind die Schlüsselanhänger und Etuis aus farbigem Leder mit aufgeprägten Initialen. Eine Folienprägung in Gold oder Silber sitzt fest im Material und glänzt auch nach Jahren noch so wie am ersten Tag, weil die Farbe nicht aufliegt, sondern ins Leder hineingedrückt ist. Wer schon einmal versucht hat, eine Gold-Folie wieder zu entfernen, weiss: das geht nicht.

Blindprägung: ganz ohne Farbe

Trixi-Gronau-Logo blindgeprägt auf graugrünem Leder
Das hauseigene Trixi-Gronau-Logo in Blindprägung auf einem Rohzuschnitt aus graugrünem Glattleder, kurz bevor er zum Etui weiterverarbeitet wird.

Die Blindprägung ist die zurückhaltendste Variante. Das Klischee wird heiss aufgesetzt, das Material gibt nach, eine farblose Vertiefung bleibt. Im Streiflicht und unter den Fingern ist sie deutlich, aus der Distanz fast unsichtbar. Wer mag, dass sein Monogramm nicht von der ersten Sekunde an ins Auge springt, sondern erst auf den zweiten Blick auftaucht, ist hier richtig.

Auch das eigene Markenzeichen taucht in der Werkstatt täglich auf. Jedes Trixi-Gronau-Stück, ob Schlüsseletui, Diary oder Portemonnaie, bekommt das Logo blindgeprägt: dezent, aber unverkennbar. Es ist die kleine Unterschrift, die man fühlen kann.

Editionen für Partner

Schwarze Geschenkbox mit weiss geprägtem Elbclusiv-Logo
Schwarze Geschenkbox mit ELBCLUSIV-Logo in Weißfolie, gefertigt im Atelier in Hamburg.
Heißfolienprägung in der Praxis: Karten der Edition „25 Jahre MENSSING“ in grüner Folie, daneben die Folien-Reste mit den ausgestanzten Motiven.

Die Maschine prägt nicht nur Trixi-Gronau-Stücke. Für Hamburger Unternehmen und Hotels werden im Atelier Editionen, Geschenkboxen, Mappen und Verpackungen hergestellt, deren Logo das Material selbst trägt. Aufkleber müssten nach kurzer Zeit ersetzt werden, eine Prägung nicht. Sie hält so lange wie das Material darunter.

Liebe Grüße, Ihre

Trixi

Im Concept Store

Personalisierungen für die Stücke aus dem Trixi Gronau Concept Store werden auf Wunsch direkt im Atelier ausgeführt. Eine Übersicht der hauseigenen Trixi-Gronau-Editionen findet sich auf der Markenseite des Shops.

Werkstattbericht aus dem Prägeatelier in Hamburg, Mai 2026. Fotos: Trixi Gronau Concept Store.

Trixi

Posted in Atelier-Einblicke, DIY - HOW TO

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