
Es gibt Druckverfahren, die so alt sind, dass man sie schon längst für Museumsstücke halten könnte. Und es gibt Druckverfahren, die genau deshalb wieder gefragt sind. Letterpress, der klassische Buchdruck mit gesetzten Lettern und Klischees, gehört zur zweiten Kategorie. Im Druckatelier von Trixi Gronau in Hamburg steht ein Boston-Tiegel. Auf ihr entstehen Karten, Einladungen und Kleinauflagen, die man fühlen kann.
Ein kurzer Werkstattbericht, warum dieses Verfahren so eigen ist, was hinter den Kulissen passiert und was am Ende auf dem Papier liegt.
Die Presse
Der Boston-Tiegel ist keine Industriemaschine. Es ist eine kleine, robuste Tiegeldruckpresse, mit der man Bogen für Bogen, Druck für Druck arbeitet. Walzen werden mit Farbe eingefärbt, das Schliessrahmen sitzt fest verkeilt, der Bogen wird angelegt, der Hebel gezogen. Ein Druck pro Zug. Wer Auflagen von tausenden Visitenkarten will, ist hier falsch. Wer eine Karte will, die aussieht und sich anfühlt, als hätte sich jemand Zeit dafür genommen, ist genau richtig.

Vom Klischee zur Karte
Letterpress unterscheidet sich vom Offsetdruck oder Digitaldruck in einem entscheidenden Punkt: Das Druckbild ist erhaben. Es gibt eine physische Form, ein Klischee, das mit Druck ins Papier gepresst wird. Diese Klischees bestehen meistens aus Messing oder Magnesium, gefräst oder geätzt aus dem Originalentwurf.

Der Witz an dieser Methode: Die Lettern und Motive müssen auf dem Klischee spiegelverkehrt stehen, damit sie auf dem Papier herum gedreht erscheinen. Wer einmal genauer hinsieht, erkennt es auf dem Foto oben rechts. Vor dem Druck sieht alles falsch aus. Nach dem Druck liest es sich.
Druck mit Farbe
Klassisch wird Letterpress mit Druckfarbe gearbeitet. Anders als beim Digitaldruck, der Farbe nur oberflächlich auflegt, drückt die Presse die Farbe in das Papier hinein. Bei dickem, ungestrichenem Baumwollkarton entsteht so eine tastbare Vertiefung, in der die Farbe sitzt. Auf dünnem Papier vermeidet man diesen Effekt, auf festem Karton macht man ihn zur eigentlichen Pointe.

Die OMG 1957-Karte ist ein gutes Beispiel für das, was Letterpress kann und Digitaldruck nicht. Die Buchstaben sind nicht gleichmässig deckend, sondern haben dort, wo viel Farbe sass, kleine Lufteinschlüsse und Texturen. Das macht die Karte lebendig. Jeder Druck ist ein bisschen anders. Das ist kein Fehler, das ist das Merkmal.
Blindprägung: Druck ohne Farbe
Es geht auch ganz ohne Farbe. Bei der Blindprägung wird das Klischee in das Papier gepresst, aber vorher nicht eingefärbt. Was bleibt, ist eine reliefartige Vertiefung, sichtbar nur im Streiflicht und unter den Fingern.


Für Karten und Briefpapier ist das eine der elegantesten Lösungen, die der Druck zu bieten hat. Kein Glanz, kein Effekt, nur die Struktur des Papiers selbst, leicht verändert. Wer schon einmal eine alte Geschäftskarte aus den 1920er-Jahren in der Hand hatte, kennt das Gefühl.

Warum sich der Aufwand lohnt
Letterpress ist langsam. Jede Farbe ist ein eigener Druckdurchgang. Jedes Klischee muss gefertigt, eingespannt, justiert werden. Eine Auflage von 200 Karten kann einen Vormittag dauern. Das macht den Druck nicht billig, aber es macht ihn besonders.
Im Atelier von Trixi Gronau entstehen damit vor allem Dinge, bei denen Haptik wichtiger ist als Tempo: Einladungen, Glückwunschkarten, Notizblöcke, kleine Editionen. Auch der hauseigene Katalog für den Concept Store läuft durch die Presse, wenn er Akzente bekommen soll, die ein Drucker im Industriedruck nicht hinbekäme.
Wer einmal in der Hand hatte, was hier entsteht, versteht den Unterschied. Eine Letterpress-Karte fühlt sich anders an. Sie ist ein Objekt, kein bedrucktes Blatt.
Liebe Grüße, Ihre

Im Concept Store
Die Karten, Blöcke und Editionen aus dem Druckatelier sind im Trixi Gronau Concept Store online erhältlich. Eine Übersicht der hauseigenen Trixi-Gronau-Editionen findet sich auf der Markenseite des Shops.
Werkstattbericht aus dem Druckatelier in Hamburg, Mai 2026. Fotos und Videos: Trixi Gronau Concept Store.


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