Markttag in Sóller. Gassen, Ikat und die alte Straßenbahn.

Samstag in Sóller. Am frühen Morgen gehören die Gassen noch niemandem. Die eine Seite liegt im Schatten, die andere schon in der Sonne, und die meisten Türen sind zu.

Leere Gasse in Sóller am frühen Morgen, Natursteinhäuser mit Balkonen und Fensterläden
Am frühen Morgen gehören die Gassen noch niemandem.

An einer bleibe ich stehen: ein Rundbogen aus Naturstein, dunkles Holz, schwere Nagelbeschläge, oben die Kachel mit der Nummer 7. So fängt der Tag hier an.

Altes Rundbogenportal in Sóller aus dunklem Holz mit schweren Nagelbeschlägen und der Hausnummer 7
Dunkles Holz, schwere Nagelbeschläge, oben die Kachel mit der Nummer 7.

Später am Vormittag ist von dieser Ruhe nichts mehr übrig.

Der Markt legt sich um die Kirche Sant Bartomeu und schiebt sich in die Gassen ringsum. Blumen, Brot und Stimmen.

Kirche Sant Bartomeu in Sóller mit großer Rosette, davor Marktstände und die Gleise der Straßenbahn
Der Markt legt sich um die Kirche Sant Bartomeu.

Über einer Gasse hängen Stofflibellen in Türkis, Rot und Rosa, darunter gehen die Leute mit ihren Taschen.

Gasse in Sóller mit durchsichtigen Stofflibellen in Türkis, Rot und Rosa über der Straße
Stofflibellen über der Gasse. Unten links der Laden für Korkwaren.

Was mich zuerst erwischt, ist die Farbe. Ein Blumen- und Pflanzenstand unter weißem Dach, vorne rosa Curcuma, daneben Grün in allen Abstufungen und Töpfe bis an den Rand der Gasse. Kein Arrangement, einfach eine Menge Pflanzen nebeneinander, so wie sie an diesem Morgen da standen.

Ein Stück weiter der Brotstand. Große, dunkel ausgebackene Laibe auf weißem Tuch, und die Verkäuferin legt sie mit beiden Händen zurecht.

Verkäuferin am Brotstand auf dem Markt in Sóller legt große dunkle Brotlaibe auf ein weißes Tuch
Am Brotstand. Große, dunkel ausgebackene Laibe auf weißem Tuch.

Und dann fährt die Straßenbahn durch. Holzwagen, offene Seiten, voll besetzt, sie schiebt sich zwischen Häusern und Menschen hindurch. Diese Bahn fährt seit 1913 zwischen Sóller und Port de Sóller.

Historische Straßenbahn von Sóller in Holzbauweise fährt voll besetzt an einem Natursteinhaus vorbei
Seit 1913 fährt diese Bahn zwischen Sóller und Port de Sóller.

Was ich auf Märkten ansehe

Gekauft habe ich nichts. Angesehen dafür umso mehr: Stoffe, Farben, Materialien und die handwerklichen Details, an denen man erkennt, wie etwas gemacht ist.

In einem Schaufenster hängen an diesem Morgen die mallorquinischen Ikat-Stoffe. Bei der traditionellen roba de llengües entsteht das Muster bereits im Garn: Die Fäden werden vor dem Weben gefärbt. Dadurch erscheinen die Konturen weich und leicht unregelmäßig, und das Muster ist auf beiden Seiten des Stoffes sichtbar. An einem Kissen im Fenster hängt ein Schild: sieben Euro.

Schaufenster in Sóller mit mallorquinischen Ikat-Stoffen, roba de llengües, und einem Kissen mit Preisschild
Roba de llengües im Schaufenster. An einem Kissen hängt ein Schild: sieben Euro.

Ich stehe davor länger, als nötig wäre. Nicht weil ich ein Kissen bräuchte, sondern weil ich sehen will, wie die Farbe an den Rändern ausläuft.

Ein paar Schritte weiter ein Laden für Korkwaren, mitten in der Marktgasse. Kork ist leicht, warm in der Hand, und die Oberfläche sieht bei jedem Stück anders aus.

Und dazwischen die kleinen Dinge, an denen man vorbeiläuft. Eine Straßenschild-Kachel auf Bruchstein, Carrer de l’Hospici, blau gerändert, mit einer kleinen Sonne in der Ecke. Sóller hat davon mehr, als man an einem Vormittag aufnehmen kann.

Keramikkachel mit der Aufschrift Carrer de l Hospici an einer Bruchsteinmauer in Sóller
Carrer de l’Hospici, blau gerändert, mit einer kleinen Sonne in der Ecke.

Die Sóller Bomb bei Maria

Am Ende meines Marktvormittags gehe ich zu Maria in die El Petit Cafeteria & Heladeria, den Ableger des El Petit Bistro. Ihre Sóller Orange Bomb trinke ich hier immer.

Martin Winkler hat sie 2021 entwickelt. Statt Vanilleeis und schwerer Sahne kommen frisch gepresster Orangensaft aus dem Sóllertal, Joghurt-Orangen-Eis, luftiger Joghurtschaum und frischer Orangenabrieb ins Glas. Leicht, frisch und genau richtig nach einem Vormittag auf dem Markt.

Weil dafür die Orangen aus dem Sóllertal verwendet werden, gibt es die Sóller Orange Bomb nur saisonal, ungefähr von Anfang Februar bis Mitte November.

Sóller Orange Bomb im Glas auf dem Tisch der El Petit Cafeteria in Sóller, daneben eine violette Lesebrille von Doubleice, am Handgelenk eine Uhr von a cuckoo moment mit fuchsiafarbenem Rochenlederarmband
Die Sóller Orange Bomb bei Maria. Auf dem Tisch die Brille von Doubleice, am Handgelenk die Uhr von a cuckoo moment.

Vor mir steht die Sóller Orange Bomb. Auf dem Tisch liegt meine Brille von Doubleice, am Handgelenk trage ich meine Uhr von a cuckoo moment mit fuchsiafarbenem Rochenlederarmband. Das kräftige Fuchsia leuchtet neben dem Orange im Glas.

Gegen Mittag ist vom frühen Morgen nichts mehr zu spüren, und das ist in Ordnung. Man muss nur beides gesehen haben: die leere Gasse und den vollen Platz.

Von Reisen bringe ich vor allem Ideen mit nach Hause.


Mercat de Sóller · Plaça Constitució und die umliegenden Gassen · 07100 Sóller · Mallorca · samstags vormittags

El Petit Cafeteria & Heladeria · Sóller · zur Sóller Orange Bomb

Alle Beiträge aus dem Tal finden Sie im Mallorca-Tagebuch.

Wie so ein Tag in Sóller ausklingt: Sundowner im Nautilus Port Sóller.

Über das El Petit Bistro: Wing, Juan und die Sóller Bomb beim El Petit Bistro.

Herzlich, aus Hamburg

Posted in Mallorca-Tagebuch

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