
Manche Adressen findet man über Reiseführer. Die besten findet man über Menschen. Meine liebste Adresse am Tegernsee verdanke ich einer Frau, die vor vielen Jahren mit Stoffmustern in mein Geschäft nach Winterhude kam: Simone Schnoor.
Es begann mit Designers Guild
In den Jahren am Poelchaukamp interessierte ich mich für Designers Guild, die englischen Stoffe und Tapeten mit ihren wunderbaren Farben. Simone war damals die Außendienstmitarbeiterin, die mich in meinem Geschäft in Winterhude besuchte. Wir verstanden uns auf Anhieb. Aus Terminen wurden Gespräche, aus Gesprächen wurde über die Jahre eine Freundschaft.
Bei einem ihrer Besuche erzählte sie mir dann etwas, das mein Reiseleben verändern sollte: Ihre Tante hatte ein Hotel in Bad Wiessee am Tegernsee, und Simone würde dort mit einsteigen.
Ein Abschied und ein Anfang
Ich muss dazu sagen: Der Tegernsee war für mich längst ein vertrauter Ort. Seit 1980 fuhr ich immer wieder gern nach Rottach-Egern ins Bachmair am See. Als dieses exklusiv gelegene Haus seine Pforten schloss, fehlte mir dort unten etwas. Umso begeisterter war ich, als Simone von dem Hotel ihrer Familie erzählte. Beim ersten Besuch hat uns sofort die Herzlichkeit gefallen. Seitdem ist das Landhaus am Stein unser festes Quartier am See, mindestens einmal im Jahr, oft öfter.
Nach einiger Zeit hat Simone das Haus ganz übernommen und nach ihren Vorstellungen gestaltet. Herzlich und gemütlich eingerichtet, mit sehr viel Gespür für Qualität. Die Bettwäsche zum Beispiel kommt von Evelyn Kahle, feine Heimtextilien, wie ich sie als Ladeninhaberin selbst sofort anfassen muss. Man spürt in jedem Raum, dass hier jemand mit Interior-Vergangenheit eingerichtet hat. Heute unterstützt ihr Mann sie im Haus, und an ihrer Seite steht Silke, Simones rechte Hand, die uns jeden Wunsch von den Augen abliest. Die meisten Gäste sind seit Jahren Stammgäste, und auch die Mitarbeiter sind fast alle schon lange dabei. Das heißt in der Hotellerie eine ganze Menge.
Kaffee und Rosis Kuchen

Wenn wir heute ankommen, gibt es erst einmal Kaffee und ein Stück von Rosis selbstgebackenem Kuchen. Das hat Tradition. Wir sitzen im Garten, Simone setzt sich dazu, und wir plaudern über die Neuigkeiten vom Tegernsee. Meistens hat sie dann schon für uns reserviert, gern die Ente mit Blaukraut und Knödeln auf der Weißachalm, für mich die beste Ente, die ich kenne. Oder sie hat einen neuen gastronomischen Tipp, dem wir gerne folgen.
Überhaupt, die Tipps. Simone ist ein großer Italien-Fan, und so bekomme ich von ihr den einen oder anderen Lieferanten-Hinweis für meinen Concept Store. Im Gegenzug bringe ich ihr meine Entdeckungen aus Paris mit. Zwei Frauen, die beruflich nie ganz aufgehört haben, einander Schönes zuzuspielen. So war das schon zu Designers-Guild-Zeiten, so ist es heute.
Das Frühstück verdient ein eigenes Kapitel. Nach dem morgendlichen Schwimmen im Indoor-Pool freuen wir uns jedes Mal darauf, und es enttäuscht nie.

Feiern am See
Viele unserer Familienfeiern haben wir bei Simone verbracht. An einen Geburtstag denke ich besonders gern zurück: Wir haben einen Bus gemietet, Chris hat ihn selbst gefahren, den Busführerschein hat er nämlich, und so sind wir mit zwölf Freunden von Hamburg an den Tegernsee gerollt. Ein ganzes Wochenende im Landhaus, mit Einkehr auf der Weißachalm, einer Bootsfahrt über den See und zum Abschluss einem Abend im Bräustüberl in Tegernsee.
Auch den 70. Geburtstag meiner Mutter haben wir im Landhaus gefeiert, mit der ganzen Familie: ich mit meiner Familie, meine Schwester mit ihrer, und natürlich mein Vater. Meine Schwester und ich hatten eine Schnitzeljagd rund um den Tegernsee ausgetüftelt, und abends gab es Essen bei Simone im Hotel. Wer das Haus kennt, weiß, was das bedeutet: Das Landhaus ist ein Garni-Hotel, ein Abendessen dort ist eine echte Ausnahme. Meine Mutter hat noch Jahre danach von diesem Wochenende geschwärmt. So fühlt sich gelungenes Gastgeben an.
Das Herz auf dem Grund des Pools

Beim Schwimmen schaue ich gern auf das Mosaik am Boden des Pools: ein geschlungenes Doppelherz. Ich hielt es lange für ein hübsches Ornament, bis Simone mir erklärte, dass es das Seelaub ist, das Wahrzeichen des Tegernseer Tals. Ein stilisiertes Seerosenblatt, das schon vor über 1250 Jahren das Gründungswappen des Klosters Tegernsee zierte. Es steht für die Verbundenheit der Talbewohner mit ihrem See. Im Landhaus taucht es überall auf, auf den Frühstückstassen, im Pool, am Stein vor dem Haus. Wer genau hinschaut, liest darin das Motto des Hauses: Herzlichkeit ist hier Wappenzeichen.
Fußball-Geschichte im Gästehaus
Eine Anekdote noch, die ich als Tochter eines Fußballspielers besonders mag: Das Haus wurde 1976 vom damaligen FC-Bayern-Präsidenten Neudecker als Vereinsgästehaus erbaut. Maier, Müller, Hoeneß und Beckenbauer haben hier während der Trainingslager gewohnt. Wo heute das Bayernstüberl ist, wurden damals Strategien besprochen und Siege gefeiert. Erst 2001 kamen Simone, ihre Tante Christl und Margarethe ins Tal und machten aus dem Haus das Landhaus am Stein. Der Name übrigens stammt von ihrer Heimatadresse in Poppenhausen an der Wasserkuppe.
Wenn Sie hinfahren

Das Landhaus am Stein liegt ruhig am Rand von Bad Wiessee, fünf Gehminuten am Bach entlang vom Seeufer. Zwanzig Zimmer, ein feines Spa mit Pool und Zirbenraum, das erwähnte Frühstück. Wer mehr vom Tal sehen will: Meine Lieblingsplätze rund um den See habe ich in meinem Tegernsee-Beitrag aufgeschrieben, von der Papierfabrik Gmund bis zum Freihaus Brenner.
Read this post in English: Simone and the Landhaus am Stein. How a fabric appointment became my third home
Die Drei-Heimaten-Serie geht weiter. Hamburg und Paris folgen in den kommenden Wochen.
Bis dahin gibt es schon einmal hinter die Kulissen meines Buchbinderei-Ateliers, in das Letterpress-Atelier und in die Prägewerkstatt in Hamburg-Lokstedt. Und für die Paris-Klammer: wie eine Paris-Karte in meinem Atelier entsteht.
Konkrete Geschenke und Papier-Arbeiten aus dem Atelier gibt es im Concept Store.
Trixi Gronau führt seit 1995 ihren Concept Store in Hamburg-Lokstedt mit eigenem Druckatelier. In den 90er Jahren Stammkundin bei Susanne Otto (damals einzige Chanel-Adresse Hamburgs, Milchstraße), bei der Boutique Amica von Ina Gärtner und im Chippis Bazar von Mary Burose. Eingeladen zu Vernissagen bei der Galerie Levy (Pop Art und Surrealismus, Hamburg-Pöseldorf).
Herzlich, aus Hamburg


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