
Ende Mai waren mein Mann und ich beim GOP Varieté in Bremen. Mit unseren Bremer Freunden, denselben, mit denen wir am Abend zuvor bei Nino in Oberneuland gesessen hatten. Das Programm hieß Zweifach Magisch. Drei Künstler, drei Sprachen ohne Worte: Magie, Kontorsion, Clownerie.
Jay & Jade, das Gastgeber-Paar
Die erste Hälfte des Abends gehörte Jay Niemi und Jade Devine. Er Finne, sie Australierin, beide sprechen perfekt Deutsch und führen mit dieser leisen, präzisen Art durchs Programm, die man sich von Gastgebern wünscht. Jay ist Magier mit einem Faible für seinen Bird Act. Jade hat lange im Moulin Rouge in Paris getanzt, bevor sie selbst Illusionistin wurde.

Ich mag Magie auf der Bühne, wenn sie ohne Brimborium auskommt. Hier war es so. Kein lauter Soundtrack, keine grelle Lichtshow, sondern eine Beleuchtung und ein Sounddesign, die pointiert eingesetzt wurden, nie übertrieben. Ein aufgeschlagenes Buch, ein paar Requisiten, und plötzlich schwebt jemand.
Alexandr Batuev, der Future Man
Dann kam Alexandr Batuev auf die Bühne. Er wollte ursprünglich Stuntman in Hollywood werden. Eine Verletzung als junger Parcourläufer hat das verhindert. Nach langer Pause, als er sich endlich wieder dehnen und strecken durfte, hat er eine außergewöhnliche Beweglichkeit an sich entdeckt und ist von da an dabei geblieben. Heute steht er als Future Man auf der Bühne, ausgezeichnet auf dem Circusfestival in Monte-Carlo.



Was er macht, ist schwer zu beschreiben, wenn man es nicht gesehen hat. Er biegt sich in Positionen, von denen man dachte, sie seien anatomisch nicht vorgesehen. Den stärksten Moment habe ich noch im Kopf: er springt durch seine eigenen Arme. Wie Tauspringen. Nur dass das Tau seine Hände sind. Im Saal war es einen Augenblick still, dann der Applaus.
Anthony Venisse, der Clown
Anthony Venisse ist Franzose, in Kanada ausgebildet, heute selbst Regisseur eigener Produktionen. Seine Sprache ist Visual Comedy. Slapstick im klassischen Sinn, ohne ein einziges Wort. Er kommt herein, fängt fast einen Sturz ab, stürzt dann doch, steht auf, fängt wieder an. Die Mimik erzählt jedes Missgeschick mit, bevor es passiert.
Tollpatschig und naiv, beides gespielt von jemandem, der das Handwerk seit Jahrzehnten ausübt. Charme ohne Pose, Können ohne Show. Er hat uns ohne Anlauf in den Bann gezogen und uns dort gehalten, bis das Licht wieder anging.
Warum dieser Abend in dieser Zeit gut tat
Ich gebe es zu: die Nachrichten der letzten Monate liegen mir oft schwer im Magen. Wenn die Welt draußen so unruhig ist, ist es ein Geschenk, sie zwei Stunden lang nicht im Kopf zu haben. Wir haben in einem Saal voller Fremder gelacht, herzhaft, gemeinsam, zur selben Zeit. Das war einmalig. Und in dieser Zeit, finde ich, fast notwendig.
Hinkommen
GOP Varieté-Theater Bremen
Am Goetheplatz 1-3
28203 Bremen
variete.de/bremen
Die Programme im GOP wechseln alle paar Monate. Ein Blick auf den Spielplan lohnt sich vor jeder Bremen-Reise.
Herzlich, aus Hamburg


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