
Wenn Hamburg im Mai blüht, gibt es ein paar Tage, an denen die Stadt fast unerträglich schön ist. Letzten Freitag war so einer. Wir saßen oben auf einer Dachterrasse gegenüber dem Atlantic Hotel, mit Blick über die Außenalster: Tochter Simona, mein Mann, meine Freundin Britta und Michael waren dabei. Es ist nicht das erste Mal, dass wir uns hier zum Kirschblütenfest treffen. Manche Abende werden zu Ritualen, ohne dass man es beschließt.
Wir waren extra hingefahren und haben gespannt auf das Feuerwerk gewartet. Es war interessant, die Mengen unter uns zu beobachten, die zum Standort des Feuerwerks strömten. Fahrradkolonnen kamen vorbei, ihre Musik schallte zu uns hoch. Eine lockere Stimmung. Der Himmel wurde langsam dunkler.

Um halb elf war es dann soweit. Das japanische Kirschblütenfeuerwerk über der Alster ist anders als ein Silvesterfeuerwerk. Es ist nicht laut und stolz, sondern fast leise. Grün, dann Pink, dann ein kleiner goldener Regen. Die Spiegelung im Wasser hat etwas Eigenes, als ob das Feuerwerk zweimal da wäre: einmal am Himmel und einmal in der Tiefe.
Was viele nicht wissen: Das Kirschblütenfest gibt es in Hamburg seit 1968. Die japanische Gemeinde in unserer Stadt hat damals fünftausend Kirschbäume gestiftet. Ein Geschenk, das sich jedes Frühjahr neu auspackt. Vielleicht ist das auch der Grund, warum mich die japanische Geste des Verpackens nie loslässt: das Sorgfältige, das Bewusste, das ohne viel Aufhebens schön sein darf. Dazu im Herbst mehr.
Wenn Sie das Feuerwerk dieses Jahr verpasst haben, nächstes Jahr Ende Mai wieder. Mein Tipp ist, einen Platz zu suchen, von dem aus man auch das Wasser sieht. Boot, Ufer oder eine geliehene Terrasse, ganz egal.
Herzlich, aus Hamburg


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