Blick von unserer Dachterrasse im Hôtel de l’Université über die Dächer von Paris.
Es gibt Städte, in denen wir Programm machen. Und es gibt Paris. Wir fahren mehrmals im Jahr hin, meistens wegen der Messen, immer mit dem Auto, und der Tag dazwischen läuft seit Jahren nach demselben Muster ab. Drei Adressen in Saint-Germain-des-Prés, alle drei zu Fuß.
In Paris bestellen wir nicht. Das klingt hochmütig, ist aber das Gegenteil davon. Es heißt nur, dass man uns an diesen drei Orten kennt.
Morgens: Frühstück im Comptoir des Saints-Pères
Das Comptoir des Saints-Pères liegt in der Rue des Saints-Pères, ein paar Minuten von unserem Hotel entfernt. Wir kommen herein, wir setzen uns hin, und das Frühstück parisien kommt. Ohne ein Wort. Meistens bringt es Rashida.

Ein Frühstück parisien ist keine große Sache. Kaffee, Saft, Croissant, Baguette, Butter, Konfitüre. Genau deshalb funktioniert es. Man sitzt an der Straße, schaut den Leuten zu, die zur Arbeit gehen, und hat es nicht eilig.
Das Comptoir ist ein Bistrot, wie es in Saint-Germain-des-Prés früher an jeder Ecke stand. Kleine Terrasse zur Straße, drinnen ein Saal, und morgens die Mischung aus Nachbarn, Buchhändlern und Leuten, die zum ersten Mal da sind.
Zwischendurch: Saint-Germain-des-Prés zu Fuß
Danach gehen wir los, und zwar zu Fuß. Das Viertel ist klein genug dafür. Das Café de Flore, Les Deux Magots, die Brasserie Lipp, das liegt alles ein paar Straßen auseinander.
Dazwischen steht die Kirche Saint-Germain-des-Prés. Dort wurde im September 2021 Jean-Paul Belmondo verabschiedet, und Alain Delon saß in einer der Bänke. Am Abend davor zog die Patrouille de France blau-weiß-rote Rauchfahnen über die Stadt. Wir waren da und haben es gesehen.

Nachmittags: Happy Hour im Hôtel de l’Université
Nachmittags sind wir zurück im Hôtel de l’Université. In dieses Haus gehen wir seit über zwanzig Jahren. Es liegt in der Rue de l’Université, zwischen der Seine und dem Boulevard Saint-Germain, und es ist genau der Punkt, von dem aus alles zu Fuß geht.

Der Service ist der Grund, warum wir bleiben. Man kennt uns, man weiß, was wir brauchen, und niemand macht ein Aufheben darum.
Von vier bis acht ist Happy Hour, jeden Tag. Thomas macht die Cocktails.

Das ist die Stunde, in der der Tag umschaltet. Die Messe ist vorbei, der Abend hat noch nicht angefangen. Man sitzt, man redet über das, was man gesehen hat, und irgendwann steht fest, dass man gleich wieder zu Les Antiquaires geht.

Abends: Les Antiquaires in der Rue du Bac
Les Antiquaires liegt in der Rue du Bac, ein paar Minuten vom Hotel. Genau das macht den Abend so entspannt. Kein Taxi, keine Metro, kein Blick auf die Uhr.
Den Chef des Hauses kennen wir seit Jahren. Polo. Wenn wir hereinkommen, gibt es zuerst eine herzliche Umarmung und danach einen Tisch, auch ohne Reservierung. Wir werden vorzüglich bedient, und zwar jedes Mal.
Das ist das Schöne an einem Stammlokal in einer fremden Stadt. Man ist nicht Gast, man ist zurück.
Mein Stammessen: Austern, Zwiebelsuppe, Crêpe Suzette
Ich bestelle dort fast immer dasselbe, und ich habe es nie bereut.
Zuerst Austern. Frisch, kalt, ein Spritzer Zitrone, dazu ein Glas Wein und der Blick von der Terrasse auf die Straße.

Danach die Zwiebelsuppe, die dort wirklich fantastisch ist. Obendrauf eine Haube aus überbackenem Käse, dazu der Brotkorb, der ohnehin schon auf dem Tisch steht.

Und zum Schluss Crêpe Suzette. Polo flambiert sie direkt neben dem Tisch, und für einen Moment steht eine blaue Flamme über dem Teller.


Drei Gänge, die für mich zusammen Paris ergeben.
Zwei Abende, die ich nicht vergesse
Meinen fünfundsechzigsten Geburtstag habe ich dort gefeiert. Das war kein zufälliger Ort, das war eine Entscheidung.
Und zu Silvester sind wir häufig dort. Wir kommen gegen zweiundzwanzig Uhr, lassen den Abend in Ruhe laufen, und kurz vor Mitternacht gehen wir die zweihundert Meter hinunter zur Brücke über die Seine, zwischen Rive gauche und Rive droite. Dort stehen wir dann und schauen uns das Feuerwerk an. Danach gehen wir zu Fuß zurück ins Hotel, mitten durch die Stadt.

Es gibt aufwendigere Arten, ins neue Jahr zu kommen. Eine schönere kenne ich nicht.
Warum ein Tag wie dieser hierher gehört
Man könnte fragen, was ein Frühstück, eine Hotelbar und ein Restaurant in einem Blog über Papeterie, Schmuck und schöne Dinge zu suchen haben. Für mich hängt das zusammen.
Was wir aussuchen, entsteht auf genau solchen Reisen. Zwischen zwei Messetagen, an einem Tisch, an dem man sich wohlfühlt. Der Blick für das, was hält, und für das, was nur kurz gefällt, schärft sich nicht im Katalog. Der schärft sich unterwegs.
Deshalb gehören Rashida, Thomas und Polo zu dieser Geschichte dazu.
Gut zu wissen: die drei Adressen
- Le Comptoir des Saints-Pères, 29 rue des Saints-Pères, 75006 Paris. Bistrot mit kleiner Terrasse zur Straße, Frühstück am Morgen.
- Hôtel de l’Université, 22 rue de l’Université, 75007 Paris. Kleines Hotel zwischen Seine und Boulevard Saint-Germain, Happy Hour täglich von 16 bis 20 Uhr.
- Les Antiquaires, 13 rue du Bac, 75007 Paris. Bar, Café und Restaurant mit Terrasse zur Straße, durchgehend geöffnet.
Die drei Adressen liegen wenige Minuten auseinander, alles zu Fuß. Preise und Karten ändern sich; unsere Angaben stammen vom Besuch im September 2026.
Wo kennt man Sie so gut, dass Sie nichts mehr sagen müssen?
Der nächste Sonntagsbrief kommt am 11. Oktober 2026 und handelt von Paris. Hier steht, was darin kommt.

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