Sóller und Port de Sóller sind zwei Orte, aber man kann sie schlecht getrennt denken. Der eine liegt im Talkessel zwischen den Bergen, mitten in den Orangenhainen. Der andere liegt gut drei Kilometer weiter am Wasser, in einer fast runden Bucht. Dazwischen fährt seit über hundert Jahren eine Straßenbahn. Wer in Sóller morgens über den Platz läuft und abends am Hafen sitzt, hat nicht zwei Ausflüge gemacht, sondern einen Tag erlebt, der sich langsam von den Bergen zum Meer bewegt.
Sóller und die Tramuntana
Was Sóller ausmacht, sieht man schon, bevor man im Ort ist. Die Serra de Tramuntana steht rundherum wie eine Wand. Grau, karg oben, grün an den Hängen, dazwischen Terrassen, die Menschen vor sehr langer Zeit in den Fels gebaut haben. Das Tal war jahrhundertelang schwer erreichbar. Wer von Palma kommen wollte, musste über die Berge oder mit dem Schiff. Erst 1912 kam die Bahn, 1997 der Tunnel.
Diese Abgeschiedenheit hat den Charakter des Ortes lange bewahrt. Sóller wirkt nicht wie ein Ferienort, der sich für Gäste zurechtgemacht hat. Es gibt Straßen, in denen ganz normal gelebt wird, es gibt kleine Läden, und manchmal liegt tatsächlich dieser Duft nach Orangen in der Luft. Die Orangen aus dem Tal von Sóller waren einst eines der wichtigsten Handelsgüter im Austausch mit Frankreich.
Häuser, die auffallen
Mit dem Orangenhandel kam Geld ins Tal, und mit dem Geld kam Architektur. Viele Familien aus Sóller gingen nach Frankreich, wurden dort wohlhabend und bauten nach ihrer Rückkehr Häuser, die man auf Mallorca sonst selten sieht. Der katalanische Modernisme hat hier ganze Fassaden geprägt, geschwungene Fensterrahmen, schmiedeeiserne Balkone, Steinmetzarbeit, die sich Zeit genommen hat.

Das Gran Hotel Sóller ist eines der Häuser, an denen man einfach stehen bleibt. Es wurde ursprünglich Anfang des zwanzigsten Jahrhunderts als Wohnhaus einer Familie gebaut und ist heute ein Hotel. Die Fassade ist streng und verspielt zugleich, und davor stand an diesem Tag ein alter Wagen, der so selbstverständlich dort parkte, als gehöre er zum Haus.

Ein Stück weiter liegt das Hotel Alcázar, ebenfalls eines dieser Häuser aus der guten Zeit des Tals. Wir sind nur auf einen Blick hineingegangen. Was mir dort gefallen hat, ist die Terrasse hinter dem Haus. Eine leichte Pergola, Liegen in einem gedeckten Salbeigrün, eine hohe Hecke, und dahinter steht wieder die Tramuntana. Man versteht schnell, warum so viele dieser Häuser in Sóller ihren Charakter bewahrt haben.
Ein Blick über Sóller
Am schönsten versteht man das Tal von oben. Wir durften den Blick von der Dachterrasse unserer Freunde in Sóller haben, und von dort sieht man, wie der Ort tatsächlich gebaut ist. Ein dichtes Feld aus ockerfarbenen Ziegeldächern, dazwischen die Türme der Kirche Sant Bartomeu, und dahinter steigen die Berge auf, ohne dass irgendwo eine Lücke bleibt.

Das ist der Moment, in dem man begreift, warum die Menschen hier so lange für sich geblieben sind. Das Tal ist geschlossen. Es hat genau eine Öffnung, und die führt zum Meer.
Port de Sóller
Diese Öffnung endet in einer Bucht, die fast ein geschlossener Kreis ist. Port de Sóller war lange ein reiner Fischerhafen, und die Form der Bucht erklärt, warum. Das Wasser liegt hier ruhig, selbst wenn draußen Wind steht. Heute liegen Boote und kleine Yachten nebeneinander, an der Promenade laufen abends alle in dieselbe Richtung, und das Licht wird über dem Wasser weicher, je später es wird.

Wir waren an mehreren Abenden hier. Einmal unten am Wasser im Es Passeig direkt an der Promenade, und einmal oben am Hang im Nautilus mit dem Blick über die ganze Bucht. Beides gehört für mich zu diesem Hafen dazu, und beides erzählt eine andere Seite davon.
Ein Stopp im Bikini Hotel
Auf halber Höhe über dem Hafen liegt das Bikini Hotel. Wir sind dort nur kurz gewesen, wegen der Aussicht und der Gestaltung. Viel Holz, gedeckte Farben, klare Formen. Nichts davon drängt sich vor den Blick. Und der Blick ist der eigentliche Grund, warum man hinaufgeht. Von der Terrasse liegt die Bucht komplett vor einem.

Richtung Fornalutx
Wer von Sóller aus weiterfährt, kommt nach wenigen Minuten nach Fornalutx. Der Weg führt am Hang entlang, vorbei an Oliventerrassen und einzelnen Steinhäusern, und über allem steht der Kamm der Tramuntana. Es wird stiller mit jeder Kurve.

Genau das ist für mich das Schöne an dieser Ecke von Mallorca. Man braucht keinen langen Weg, um vom Hafen in die Berge zu kommen. Ein paar Kurven genügen, und das Meer ist nur noch eine Erinnerung von vor zehn Minuten.

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