Der Gastraum von Fougue mit seiner kupferfarbenen Decke.
Mitten im lebhaften Saint-Germain-des-Prés gibt es einen Ort, an dem es plötzlich ganz ruhig wird. Man geht durch eine Toreinfahrt und steht im Beaupassage, zwischen Bäumen, ungewöhnlicher Kunst und einer Brasserie, die erst im September eröffnet hat.
Anfang Oktober war ich wegen der Messen in Paris, Première Classe und Tranoï, zwei lange Tage auf den Beinen. Am Abend des 2. Oktober sind wir dort gelandet, in diesem Hof zwischen der Rue de Grenelle und der Rue du Bac.
Ein stiller Hof hinter der Toreinfahrt

Von der Straße sieht man nichts davon. Hinter der Einfahrt bleibt der Lärm zurück. Drei Zugänge hat dieser Hof: 53 bis 57 Rue de Grenelle, 83 bis 85 Rue du Bac und 14 Boulevard Raspail. Innen Bäume, Pflaster, Ruhe. Und Namen, die man sonst quer durch die Stadt zusammensuchen müsste: Yannick Alléno, Thierry Marx, Pierre Hermé, dazu der Käse von Barthélémy.
Nach zwei Messetagen war das genau der richtige Ort, um herunterzukommen.
Wo gibt es so etwas in einer Passage?

Das war mein erster Gedanke, als ich nach oben gesehen habe. Über den Köpfen verzweigen sich Äste in Grün und Rot unter einer bemalten Decke, und man bleibt einfach stehen. Die Arbeit heißt Les Deux Chênes und ist 2018 von Fabrice Hybert für das Beaupassage entstanden: Abgüsse einer über dreihundert Jahre alten Eiche aus seinem Tal in der Vendée, zwei Bäume, einer grün, einer rot.

Unten, gleich neben der Tür, steht der Stamm, giftgrün von unten bis oben. Oben laufen die Äste über dem Gastraum weiter. Erst beide Blicke zusammen ergeben diese Arbeit.
Eine Brasserie, die nicht nach Brasserie aussieht

Fougue hat im September 2026 aufgemacht. Eingerichtet hat es der belgische Gestalter Jean-Philippe Demeyer, und das Ergebnis hat mit der alten, holzvertäfelten Pariser Brasserie nichts zu tun: starke Farben, ungewöhnliche Materialien, grafische Formen, über dem Gastraum die kupferfarbene Decke. Sehr modern, sehr eigen.
Was mir sofort aufgefallen ist: der Platz. Die Tische stehen nicht so eng beieinander wie in vielen klassischen Pariser Cafés, man sitzt nicht im Gespräch der Nachbarn. Die Gäste waren jung, modisch, stilbewusst, aber nicht aufgesetzt.

Gegessen haben wir draußen auf der Terrasse, im Hof, mit Blick in die Passage. Von dort aus sieht man beides: die Leuchtschrift des Hauses und den stillen Hof.
Ein Service, von dem ich noch erzähle
Das junge Serviceteam war außergewöhnlich freundlich, aufmerksam und dabei ganz entspannt. Mehrmals wurde gefragt, wie uns die einzelnen Gerichte geschmeckt haben, und die Antwort hat wirklich interessiert.
Und dann die Küche

Für die Küche ist Fanny Herpin verantwortlich. Sie überrascht mit einer ganz eigenen Interpretation französischer Klassiker. Wir begannen mit Austern, dazu eine Mignonette aus fein gewürfelten Schalotten und Rotweinessig.

Bei den Œufs mayonnaise à la diable war ich wirklich überrascht. Eigentlich ist das in Frankreich eine eher einfache Vorspeise, die man in vielen klassischen Brasserien bekommt. Im Fougue sah sie völlig anders aus. Die Mayonnaise war nicht wie gewohnt gelb, sondern orangefarben und angenehm würzig. Auch die Anrichtung war alles andere als gewöhnlich. Aus einem schlichten Klassiker wurde ein kleines Kunstwerk auf dem Teller. Ich war begeistert.
Mein persönlicher Höhepunkt war das Carpaccio von der Dorade mit Beurre noisette und Zitrone. Ein außergewöhnlich fein abgestimmtes Gericht, für mich geschmacklich auf Sterneniveau. Schade nur, dass ich ausgerechnet davon kein Foto gemacht habe.

Dann Ravioles du Dauphiné, die kleinen Ravioli aus dem Südosten Frankreichs, in einer Creme aus geräucherten Zwiebeln, dazu ein Coulis von Brunnenkresse mit beurre noisette, Haselnussbrösel, Zitrone und Estragon.

Auch beim Dessert gab es noch eine Überraschung. Die Île flottante, normalerweise ein luftiger Eischneeberg, der auf Vanillesauce schwimmt, sah hier fast wie ein kleines Törtchen aus. In der Mitte eine Vertiefung mit Karamell, dazu Mandeln. Geschmacklich erinnerte mich die Sauce mit ihrer leicht herben Note an Crème Catalana. Fougue bezeichnet die Île flottante als sein Signature-Dessert. Eine ungewöhnliche und ausgesprochen schöne Interpretation dieses französischen Klassikers.
Als ich in unserem Hotel nach Fougue fragte, kannte man das neue Restaurant dort noch gar nicht. Dabei waren wir nur ungefähr zehn Minuten zu Fuß entfernt.
Gerade solche Entdeckungen liebe ich an Paris. Ein Ort, der erst seit wenigen Wochen geöffnet ist, den noch nicht jeder kennt und bei dem vieles zusammenpasst: die außergewöhnliche Kunst im Beaupassage, die moderne Gestaltung, der entspannte Service und eine Küche, die selbst vertraute französische Gerichte überraschend neu interpretiert.
Genau nach solchen Adressen halte ich auf meinen Reisen immer Ausschau.
Wie so ein Tag in unserem Pariser Viertel sonst aussieht, habe ich in Unser Paris. Ein Tag in Saint-Germain-des-Prés aufgeschrieben. Von derselben Reise stammen auch meine Entdeckungen auf Première Classe und Tranoï. Und wenn es vertraut sein soll statt neu, gehen wir ins Les Antiquaires.
Gut zu wissen
- Fougue, im Beaupassage, 53 bis 57 Rue de Grenelle, 75007 Paris. Weitere Zugänge über 83 bis 85 Rue du Bac und 14 Boulevard Raspail. Métro Rue du Bac, Linie 12.
- Eröffnet im September 2026. Eingerichtet von Jean-Philippe Demeyer.
- Geöffnet von 7 Uhr morgens bis Mitternacht. So stand es im Oktober 2026 am Eingang.
- Der Baum heißt Les Deux Chênes, von Fabrice Hybert, 2018. Abgüsse einer über dreihundertjährigen Eiche aus der Vendée.
- Im selben Hof: Yannick Alléno, Thierry Marx, Pierre Hermé und der Käse von Barthélémy.
- Karten, Zeiten und Preise ändern sich. Meine Angaben stammen vom Besuch im Oktober 2026.

